Dienstag, September 27, 2005

Bergwanderung

Es war wundervoll! Samstag strahlte die Sonne. Blauer Himmel, nur ein paar kleine weiße Wolken. Nach einer Woche dauernden Regens und Sturms sieht die Welt an einem solchen Tag wie das Paradies aus. Und dann auch noch ein freier Tag! Also nichts wie raus. Aufgrund meines etwas eigenwilligen Tag-Nacht-Rythmuses wurde es dann aber doch 13Uhr, bis ich endlich mit Wanderschuhen und Rucksack losmarschierte. Mein Ziel war der Ulriken, der höchste Berg hier. Nach einer Stunde Fußmarsch kam ich am Fuß des Berges an, an der Stelle, wo die Seilbahn nach oben fährt. Für ein Studentenbudget aber eindeutig zu teuer. Macht nix. Bin ja noch jung. Mit der etwas laschen Einstellung "mal sehen wie weit ich in 2h komme" (Zeit war begrenzt, da ja auch wieder vor Einbruch der Dunkelheit runter musste), machte ich mich also auf den Weg.
Schon nach der ersten halben Stunde war mir ein toller Ausblick auf die City vergönnt.


Dann begann der anstrengende Teil des Weges. An die Spitze des Berges führen keine asphaltierten Wege, sondern man klettert in einem Bach nach oben, der über Unmengen von mittelgroßen Steinen fliesst. Dank des trockenen Tages führte der Bach nicht allzuviel Wasser. Immer wieder musste ich mich umdrehen und die Aussicht bewundern. Nach etwa einer Stunde, ich war schon ziemlich ausser Atem, fragte ich eine ältere Norwegerin, ob ich auf dem richtigen Weg sei. Klar, einfach 20min bergauf, und ich sei oben. Sprachs und war 5 min später aus meinem Blickfeld verschwunden. Na gut. Das kannte ich ja nun schon. Ich plante also etwas mehr als eine halbe Stunde für mich ein. Eigentlich gar nicht so weit.
Inzwischen bin ich der Frau dankbar. Ohne die Hoffnung, dass es ja gar nicht mehr weit sein könne, hätte ich wohl beim nächsten Wegabschnitt aufgegeben. Nix mehr mit normalem Aufwärts-Steigen. Mitten in der Lanschaft, über ein paar Felsen hinweg, war ein freistehendes Geländer montiert, das recht steil nach oben führte. Daran hangelten sich Menschen noch oben und auch wieder nach unten. (An dieser Stelle erklärt sich, warum mein Muskelkater in den Armen am nächsten Tag weit schlimmer war als der in den Beinen...)

Nach insgesamt zwei Stunden erreichte ich ziemlich fertig die Spitze des Berges. Und dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich! Ein paar Schritte nur, und man steht in völliger Abgeschiedenheit in einer atemberaubenden Landschaft. Man spürt den kühlen Wind, der einem ins Gesicht bläst, auf der Haut. Man sieht, wie steil der Weg ist, den man hinter sich hat. Berge so weit das Auge reicht. Ganz weit unten und winzig klein mein Wohnheim. Auf der anderen Seite die Fjorde. Die ganze Stadt sieht aus wie auf einer Postkarte. Paraglyder schweben vorbei.
Eine ganze Weile habe ich erst mal auf einem Felsen gesessen und die Bilder wirken lassen. Was mich im Nachhinein ein wenig traurig macht ist, dass meine Fotos dem Augenblick nicht annähernd gerecht werden. Trotzdem eine kleine Auswahl:

So. Ich denke diese Bilder geben zumindest eine vage Vorstellung davon, wie schön es da oben war.
Ich könnte jetzt noch stundenlang von dieser halben Stunde auf dem Berg dort oben schwärmen, aber dann wird es wohl richtig kitschig.
In jedem Fall kann ich nun verdammt gut verstehen, warum so viele Norweger in jeder freien Sekunde in die Berge ziehen!
Der Abstieg war ähnlich anstrengend wie der Aufstieg, allerdings von dem oben erlangten Hochgefühl begleitet. Anderthalb Stunden später war ich wieder unten. Müde und glücklich.