Sonntag, April 02, 2006

Island

GETTING STARTED
Sonntag Morgen stiefelte ich - natürlich wieder recht knapp - mit einer schlafwandelnden Siri zum Bus, der uns auf unser Boot nach Island bringen sollte. An der Haltestelle warteten bereits etwa 25 weitere dickbepackte Wesen aus Fantoft. Zu einem großen Anteil waren Spanier und Italiener vertreten, denen die Unvergeßlichkeit unserer abendlichen Gelage in dieser Woche zu verdanken ist.
Der erste Tag auf dem Boot war wenig ereignisreich. Die See war ruhig und das erste Kennenlernen untereinander auch nicht besonders spannend.

TÓRSHAVN - FAROER INSELN
Montag Morgen erwachten wir bereits in Tórshavn auf den Faroer Inseln, die zwischen Norwegens Westküste und Island in einem Ausläufer des Golfstroms liegen und unter dänischer Verwaltung stehen. Trotz relativ dünner Besiedlung - es gibt wie auf Shetland mehr Schafe als Menschen, was ich nach der Begenung mit einigen der typischen Inselmenschen allerdings als durchaus positiv bewerten würde - besitzen sie eine eigene Währung und eine eigene Sprache, die sich als eine Art extremen Dialekts aus dänisch und norwegisch darstellt.
Gutgelaunt verbrachten wir den Vormittag damit auf den naheliegendsten der verschneiten Hügel zu spazieren und uns, durchgepustet von dem heftigen Sturm, einen Teil der Inselgruppe von oben anzusehen.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Supermarkt-Suche. Tórshaven ist zwar eine kleine, aber im Umkreis doch die wohl größte Stadt, was uns vermuten ließ, dass es einen Supermarkt geben müßte. Zusammen mit Siri, Pauline und Lars durchstreifte ich also auf Nahrungssuche die Stadt. Der erste noch nüchterne Einheimische - ein niedlicher kleiner Punk - den wir nach einem solchen Markt fragten, war von dem Wort offenbar irritiert und schickte uns nach unserer Erklärung, dass das ein Laden sei, in dem man Essen kaufen könne, zu einer Bäckerei. Der nächste Versuch endete damit, daß ein sehr netter älterer Müllmann Siri vor ein Café führte und ihr riet dort ein Butterbrot zu essen. Ein paar angetrunkene Norweger vor dem Café - sie hatten sich wohl an die faroerische Sitte gegen 11 Uhr vormittags mit dem ersten Bier zu beginnen angepasst - schickten uns wieder in eine andere Richtung mit dem Hinweis "Einkaufszentrum". Nachdem sich dieses Zentrum als eine kleine Straße mit 5 - 6 Geschäften (natürlich ohne Supermarkt) entpuppte, fragten wir schließlich in der Touri-Information nach, deren Beschreibung uns tatsächlich eine Art Supermarkt finden ließ. Das eindrucksvoll spärliche Angebot dieses Markts lässt mich vermuten, dass die Faroer sich wohl überwiegend von ihren Schafen ernähren werden. An der Kasse scheiterten wir dann schließlich endgültig an der Inakzeptanz von ausländichschen (!) Kreditkarten.
Alles in allem läßt sich sagen, dass es eine zwar eigenartige, doch sehr schöne Inselgruppe ist, die wir Monag Abend wieder verließen.

Das spanische Temperament und die vergleichsweise niedrigen Alkoholpreise im Tax-Free-Shop an Bord bescherten uns an diesem Abend eine ausgelassene Party, die mit der Beschlagnahme des für die Musik verantwortlichen Notebooks und der Boxen durch einen erbosten Security-Menschen endete.

SEYDISFJÖRDUR - ISLAND
Dienstag Morgen erreichten wir dann endlich Island. Der erste Eindruck wurde uns von der Stimme in den Lautsprechern vermittelt: sehr schlechtes Wetter, verlassen des Schiffs auf eigene Gefahr (als ob sonst jemand Verantwortung für mich übernehmen würde...)! Lars war schon lange mit Lionel auf dem Weg zu dem 25 km entfernten Egilsstadir, um dort ein Auto zu mieten, als Siri, Pauline und ich uns aus unseren Betten schälten. Mit der Schnelligkeit weiblicher Wesen am Morgen machten wir uns ausgehfertig und warfen den ersten Blick auf das verschneite und stürmische Land. Gegen Mittag waren wir bereits äußerst nervös, besonders weil uns Nachrichten erreichten, dass einige unserer Gruppe gar nicht bis zur nächsten Stadt gekommen waren bzw. dort kein Auto aufgrund der Wetterverhältnisse hatten mieten dürfen. Als wir gerade den ersten Schneemann im teils kniehohen Schnee fertiggestellt hatten, kam ein kleiner Suzuki (mit Vierradantrieb und Spikes an den Rädern) um die Ecke, in dem wir Lars erkannten. Unter Applaus enterten wir in Sekunden den kleinen Wagen und waren kurze Zeit später auf dem Weg nach Egilsstadir. Schon diese kurze Strecke war ein Erlebnis. Die verschneiten Berge unter dem Schneesturm waren ebenso schlecht vom Himmel zu unterscheiden wie die Straße direkt vor uns. Zeitweise war nicht einmal der nächste der orangefarbenen Streckenpfosten zu erkennen, was uns einmal in einem Schneehaufen an der Straßenseite enden ließ. Schließlich erreichten wir die Küste, wo es zumindest ein wenig besser ging. Den ganzen Tag lang fuhren wir durch unwirkliche verschneite Landschaften mit Blick auf das heftig bewegte, grau-grüne Meer. Zwischendurch kam ich mir vor wie in einem alten Gemälde mit wenigen eindrucksvoll verteilten Farben, die ineinander übergehen. Die einzigen Lebenszeichen, die wir entdeckten waren aneinander gedrängte Islandpferde, verfallene Häuser und hin und wieder überschnelle Jeeps, die uns auf der vereisten Straße überholten. Nach einem erlebnisreichen Tag mussten wir die letzte Strecke durch die Berge nach Seydisfjördur zu unserem Schiff im Dunkeln zurücklegen.

Aufatmend aber sehr zufrieden erreichten wir unsere Kabine und folgten dem Rest unserer Gruppe bald in den ortsansässigen Pub. Dieser war ebenfalls sehenswert. In ein normales kleines Wohnhaus waren in jedes Zimmer ein paar Tische uns Stühle gequetscht worden und unter einer engen Treppen fanden wir schließlich die winzige Tür zum Schankraum. Der kleine Pub war mit unserer Gruppenstärke beinahe überfordert und die Einheimischen waren teils verängstigt und teils begeistert von der Lautstärke, mit der wir an ihrem Karaokeabend teilnahmen.

Entsprechend spät fielen wir am nächsten Morgen aus dem Bett. Trotz des andauernden Schneesturms und diversen Warnungen der Einheimischen machten wir uns wieder auf den Weg nach Egilsstadir. Wir wollten es diesmal nach Norden zu den berühmten heißen Quellen schaffen. Auf den ersten paar Kilometern begegeneten wir bereits Isländern, die uns im Vorbeifahren winkten umzukehren. Optimistisch fuhren wir weiter. Beinahe zugeschneit erreichten wir nach einer Ewigkeit auch tatsächlich die nächste Stadt, wo wir unser Vorhaben noch weiter zu kommen aufgaben und das Auto zurückbrachten. Die Dame im Verleih war sehr hilfsbereit, bestand aber auf ihrer Meinung, dass es unmöglich sei an diesem Tag noch nach Seydisfjördur - wo unser Schiff nachmittags ablegen sollte - zurückzukommen. Nach einigen Telefonaten wusste sie uns mitzuteilen, das weder Bus noch Taxis aufgrund des schlechten Wetters zu bekommen waren und dass sich das Wetter noch verschlechtern würde. Derart genötigt standen wir kurz darauf an der Straße und reckten die Daumen. Wir hatten Glück. Ziemlich bald stoppte ein polnischer Kleinbus, der ebenfalls das Schiff erreichen wollte und uns mitnahm. So zockelten wir mit Schneeketten durch die Berge, bis wir 3h später tatsächlich das Schiff wieder vor uns sahen. Wir schlossen noch einen Spaziergang durch den Ort Seydisfjördur an und erwarteten dann die stürmischste Nacht auf See.

Direkt nach Abfahrt machten sich die hohen Wellen bemerkbar. Das Schiff schaukelte kräftig. Wie die meisten anderen stand ich an Deck und taumelte mit den umher, teils wegen der Schiffsbewgungen, teils wegen dem Sturm der dort oben wehte. Als wir nach einer Weile durchgefroren, aber begeistert, in unserer Kabine ankamen kroch Siri gerade aus dem Bett. Schon leicht grün im Gesicht suchte sie mit den Worten "Mir ist schlecht!" (ihre einzigen Worte an diesem Abend, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt dass sie sonst sogar im Schlaf noch weiterredet...) die nächste Toilette auf und verbrachte den Rest der Nacht halb im Koma liegend. Bis auf einige weitere blaß aussehenden Menschen hatten wir an diesem Abend jedoch viel Spaß und die Begeisterung mit der einige Herren auf ihren Stühlen bei jeder neuen Welle übers Schiff rutschten war durchaus ansteckend.

FAROER-INSELN TEIL 2
Am nächsten Morgen erwachten wir auf einem wieder ruhigen Boot. Allerdings sah die ganze Belegschaft etwas übermüdet aus, denn auch wer nicht seekrank geworden war, hatte doch Probleme im Bett hin und her rollend gut zu schlafen.
Nichts desto trotz machten wir uns wieder zu einem gemütlichen Spaziergang durch Tórshavn auf, der allerdings recht unspektakulär verlief.

Abends feierten wir schließlich, nach einem ausgedehnten Nachmittagsschlaf, unsere letzte Schiffsparty, bei der noch einmal die Tax-Free-Preise zur Geltung kamen.

RÜCKFAHRT
Der Freitag war wieder überwiegend ereignislos, da wir den ganzen Tag auf dem Schiff verbrachten, das nach einem kurzen Zwischenstop auf Shetland wieder Norwegen anlief. Gegen Abend erreichten wir dann die norwegische Küste und konnten bei wundervollem Frühlingswetter an Deck den Sonnenuntergang zwischen den zahllosen kleinen Inseln vor Bergen bewundern. Als dann Bergen in Sicht kam machte sich bei mir doch tatsächlich ein Gefühl des Heimkehrens breit. So schön Island mit seiner rauhen Landschaft auch war, Bergen ist mir doch ans Herz gewachsen!